Es gibt Straßen, die man hauptsächlich fährt, weil sie einen möglichst schnell von A nach B bringen. Und dann gibt es in Norwegen Straßen, bei denen der Weg selbst zum Ziel wird. Die Atlantikstraße gehört ganz eindeutig zur zweiten Kategorie. Eigentlich ist sie mit ihren gerade einmal 36 Kilometern viel zu kurz, um daraus einen so ausführlichen Beitrag zu schreiben. Und trotzdem machen wir es. Denn wenn man nicht einfach nur einmal schnell über die berühmte Storseisundbrücke fahren und danach direkt weiter möchte, hat die Umgebung das Potential hier mindestens zwei wirklich traumhafte Tage zu verbringen.

Genau das ist wahrscheinlich auch der größte Unterschied zwischen der Atlantikstraße auf einem Foto und der Atlantikstraße in Wirklichkeit. Auf den Bildern sieht man meistens die große geschwungene Brücke, die sich scheinbar irgendwo zwischen Himmel und Meer verliert. Ohne Frage eines der bekanntesten Straßenmotive Norwegens. Aber wenn ddu selbst dort stehst, merkst du ziemlich schnell, dass die Brücke eigentlich nur ein kleiner Teil dessen ist, was diese Strecke so besonders macht.
Denn die Atlantikstraße führt nicht einfach nur über ein paar Inseln. Sie verläuft mitten durch eine Landschaft, die sich ständig verändert. Aus grünen Küstenwiesen werden offene Heideflächen, aus kleinen Buchten wird plötzlich ein großer Sandstrand mit Blick auf das offene Meer und irgendwann stehen nur noch blanke Felsen, und Schären zwischen dir und dem Atlantik. Genau diese raue Küste ist es, die der Straße ihren Charakter gibt. Und wenn dann noch Wind aufkommt, die Wolken tief hängen und die Wellen gegen die Felsen schlagen, sieht die gleiche Straße plötzlich komplett anders aus als auf den bekannten Sommerfotos.
Und deshalb würden wir euch auch empfehlen, die Atlantikstraße nicht einfach nur als kurzen Zwischenstopp auf dem Weg abzuhaken. Wenn du schon einmal hier bist, nimm dir ein bisschen Zeit. Fahrt die Strecke langsam, steigt an den verschiedenen Aussichtspunkten aus, geht ein Stück an der Küste entlang und lasst euch vor allem nicht davon abschrecken, wenn das Wetter gerade nicht perfekt ist. Denn gerade dann kann die Atlantikstraße ihren ganz eigenen Reiz entwickeln.
Kennst du schon unsere Route entlang der wilden Westküste Norwegens?
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➤ Zur Routen-KarteDie Atlantikstraße – eine der offiziellen Landschaftsrouten in Norwegen
Der Atlanterhavsvegen, wie die Straße auf Norwegisch heißt, ist eine der 18 offiziellen Norwegischen Landschaftsrouten. Sie verbindet den kleinen Küstenort Bud im Süden mit Kårvåg auf Averøy im Norden und ist insgesamt 36 Kilometer lang. Die Route führt über mehrere Inseln und Schären und wird dabei von insgesamt acht Brücken geprägt. Die bekannteste ist natürlich die Storseisundbrua, aber eigentlich ist es gerade das Zusammenspiel aus allen Brücken, kleinen Inseln, dem Meer und der Küstenlandschaft, das die Strecke ausmacht.
Die offizielle Route ist übrigens nicht identisch mit dem kurzen Abschnitt, den du vielleicht von Fotos kennst. Wenn man von der Atlantikstraße spricht, denken die meisten sofort an die berühmten Brücken zwischen Vevang und Kårvåg. Tatsächlich beginnt beziehungsweise endet die Landschaftsroute aber bereits deutlich weiter draußen bei Bud. Und gerade dieser südliche Teil hat seinen ganz eigenen Charakter.
Die norwegischen Landschaftsrouten wurden geschaffen, um besonders interessante Regionen durch gute Straßenführung, Architektur, Aussichtspunkte und Rastplätze erlebbar zu machen. Genau das funktioniert auf der Atlantikstraße ausgesprochen gut. Entlang der Strecke gibt es mehrere bewusst gestaltete Rastplätze und Aussichtspunkte, die nicht einfach nur ein Parkplatz neben der Straße sind, sondern Reisende wirklich in die Landschaft hineinführen. Dazu gehören unter anderem Kjeksa, Askevågen, Farstadsanden, Hågå, Myrbærholmbrua, Eldhusøya und Geitøya.
Und obwohl die Strecke als eine der schönsten Autoreisen Norwegens beziehungsweise oft sogar als „schönste Autoreise der Welt“ beworben wird, würden wir sie gar nicht unbedingt als klassische „Autostraße“ beschreiben. Viel interessanter ist, wie nah du hier tatsächlich an der Landschaft bist. An vielen Stellen liegt die Straße nur wenige Meter über dem Meer und auf den Brücken hast du das Gefühl, wirklich mitten über dem Atlantik unterwegs zu sein. Das ist vor allem bei Wind ein ziemlich beeindruckendes Erlebnis.




Anreise zur Atlantikstraße: Route, beste Fahrtrichtung & Maut
Die Atlantikstraße liegt an der Küste von Møre og Romsdal zwischen Kristiansund und Molde. Von Norden kommend führt die Route über Kristiansund und den Atlantiktunnel nach Averøy, bevor du bei Kårvåg auf die eigentliche Landschaftsroute trefft. Von Süden kommend erreichst du die Atlantikstraße über Molde und die Küste in Richtung Bud.
Wenn du aus südlicher Richtung kommst, würden wir wirklich empfehlen, nicht einfach direkt zur bekanntesten Brücke zu fahren, sondern die Route auch tatsächlich von Bud aus in Richtung Kårvåg zu erleben. Das ist nicht der schnellste Weg, den Google Maps dir anzeigt! 😉 Der Grund dafür ist weniger eine Frage der „richtigen“ Fahrtrichtung – die Atlantikstraße funktioniert natürlich in beide Richtungen – sondern vielmehr, dass sich die Landschaft von Bud aus irgendwie total schön und natürlich entwickelt. Du startest in einem kleinen, historischen Fischerdorf, fährst anschließend durch die offene Küstenlandschaft und kommst immer näher an die Inseln und Brücken heran. Irgendwann taucht dann plötzlich die Storseisundbrücke vor dir auf.
Die Atlantikstraße selbst ist übrigens mautfrei und ganzjährig befahrbar. Gerade im Sommer kann auf der Strecke allerdings zeitweise einiges los sein. Das gilt insbesondere für die bekanntesten Rastplätze und natürlich für die Storseisundbrücke.
Die schönsten Aussichtspunkte & Highlights am Atlanterhavsvegen
Auch wenn die Küstenroute nicht einmal 50 Kilometer lang ist, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt gibt es wirklich super viel zu entdecken und vor allem zu fotografieren!

Das Fischerdorf Bud
Der kleine Fischerort liegt ganz im Westen der Route und fühlt sich deutlich mehr nach offener Atlantikküste an als nach klassischem Fjordnorwegen. Hier ist alles etwas ruhiger, weiter und … windiger. Statt steiler Berge erwarten dich Felsen, Meer, kleine Inseln und die typischen bunten Holzhäuser eines alten Fischerdorfes.
Wenn du Zeit hast, würde ich deshalb nicht einfach nur kurz durch Bud hindurch fahren. Gerade nach einer längeren Anreise ist der Ort ein schöner Einstieg in die Atlantikstraße, weil du hier schon einmal ein Gefühl für die Landschaft bekommt, durch den Hafen schlendern kannst und mit ein wenig Glück gibt es sogar ein paar Robben zu beobachten.




Kjeksa & der erste Blick auf die berüchtigte Hustadvika
Von Bud aus folgst du der Straße weiter in Richtung Norden und kommst relativ schnell zum ersten offiziellen Aussichtspunkte: Kjeksa. Hier verändert sich die Landschaft direkt. Die Straße führt über offene Küstenflächen und der Aussichtspunkt selbst ist bewusst sehr schlicht gehalten. Ein kleiner Weg führt dich hinunter in Richtung an die berüchtigte Felsküste.
Das ist für uns einer dieser Orte, bei denen man nicht unbedingt eine halbe Stunde einplanen muss. Aber aussteigen lohnt sich dennoch. Denn von Kjeksa bekommst du einen guten Eindruck davon, was die Atlantikstraße eigentlich ausmacht. Du steht nicht vor einem riesigen Berg oder einem spektakulären Wasserfall. Stattdessen ist vor euch einfach nur Meer. Und zwar ziemlich viel davon.
Die Hustadvika gilt übrigens als einer der rauesten Küstenabschnitte Norwegens. Schon seit Jahrhunderten war dieses Gebiet für die Schifffahrt aufgrund der offenen Küste und den wenigen geschützten Häfen schwierig zu befahren. Ein gutes Beispiel dafür, ist eines der nächsten Highlights entlang der Route.




Küstenwanderung zum Nordneset Fyr in Farstad
Kaum zu glauben, wie schnell sich Landschaften verändern können. Eben noch weite Steinküste, plötzlich kleine Sandbuchten, bewachsene Ufer und ein super schöner Wanderweg. In Farstad angekommen, solltest du unbedingt einen Abstecher zum Nordneset Leuchtturm machen. Dazu parkst du am besten am „Gapahuk“, einer kleinen Hütte direkt an der Breivikbukta und folgst dem Weg hinauf auf die Landzunge.
Stellplatz Tipp für dich: Genau hier gibt es einen kleinen privaten Camper-Stellplatz (ohne Versorgung) für ein Fahrzeug. Direkt am offenen Meer und mit kleiner Feuerstelle. Der Erlös (bei unserem Aufenthalt 10,00€ pro Nacht) kommt dem Enkel der Landbesitzer zugute, welcher auf seinen ersten eigenen Traktor spart. Eine schöne Sache die es zu unterstützen lohnt, oder? 😊
Ein weitere Vorteil des Stellplatzes ist, dass du von dort aus ebenfalls direkt durch die super schöne Küstenlandschaft zum Leuchtturm spazieren kannst.




Farstadsanden – wenn die Atlantikstraße plötzlich nach Strand aussieht
Einer unserer liebsten Stopps entlang der Route ist Farstadsanden. Denn wenn man bei der Atlantikstraße an Norwegen denkt, hat man wahrscheinlich nicht unbedingt weißen Sandstrand im Kopf. Und genau deshalb ist Farstadsanden so ein schöner Kontrast. Der Strand liegt an einer geschützten Bucht und ist deutlich sanfter als die offene Küste rund um Kjeksa. Hier kannst du ein Stück am Wasser entlanglaufen oder den Strand als Ausgangspunkt für eine längere Küstenwanderung nutzen.


Kennst du schon unsere Route entlang der wilden Westküste Norwegens?
Reiseplanung leicht gemacht: Du möchtest die Atlantikstraße auf einer Rundreise entdecken? Mit unserer digitalen Routenkarte bekommst du nicht nur alle Highlights aus diesem Beitrag, sondern auch über 230 weitere Spots entlang einer fertigen Route als interaktive Google MyMaps-Karte. Inklusive Tag-für-Tag-Routenvorschlag & zu fahrenden Kilometern.
➤ Zur Routen-KarteDas versteckte Schiffswrack
Eines der Motive, das man entlang der Atlantikstraße nicht unbedingt direkt von der Straße aus wahrnimmt, ist ein altes Schiffswrack kurz vor der Myrbærholm Brua auf der rechten Seite der Straße. Aus der Luft wird erst richtig sichtbar, wie außergewöhnlich die Lage ist: Das rostige Schiff liegt zwischen den flachen Schären und dem Meer und bildet einen starken Kontrast zu der ansonsten fast unberührt wirkenden Küstenlandschaft.
Wenn du selbst mit einer Drohne unterwegs bist, schaue vor dem Start unbedingt auf die aktuellen Gegebenheiten vor Ort. Norwegen hat klare Drohnenregeln und entlang einer viel befahrenen Straße kommen zusätzlich Menschen, Fahrzeuge und gegebenenfalls weitere temporäre Einschränkungen hinzu. Vor jedem Flug solltest du deshalb die aktuelle Flugkarte und die lokalen Vorgaben prüfen und deine Flugroute so planen, dass sie nicht über die Fahrbahn führt.



Eldhusøya: Der für uns schönste Stopp direkt an den wilden Brücken
Wenn wir entlang der Hauptattraktion, den acht Brücken der Atlantikstraße, nur einen einzigen Stopp empfehlen dürften, wäre es wahrscheinlich Eldhusøya. Die kleine Insel ist einfach der Ort, an dem du innerhalb kurzer Zeit am meisten sehen und erleben kannst.
Rund um die kleine Insel führt ein erhöhter Rundweg auf einer Art Steg immer entlang der Wasserlinie. Die Runde ist kurz, barrierefrei und ganzjährig problemlos zugänglich. Am südlichen Ende findest du kleine Bänke mit perfektem Blick auf die Storseisundbrücke – an sonnigen Tagen der ideale Ort für eine Fika-Pause.
Wenn allerdings ordentlich Wind aufkommt, wird der Rundweg erst richtig interessant. Die Wellen peitschen gegen das Ufer, dunkle Wolken ziehen über das offene Meer und die Möwen können sich kaum noch in der Luft halten. Um den richtigen Atlantikstraßen „Vibe“ zu erleben, würden wir sogar fast graues und düsteres Wetter bevorzugen!




Und dann kommt die Storseisundbrücke
Natürlich kann man nicht über die Atlantikstraße schreiben, ohne irgendwann bei der Storseisundbrua anzukommen. Sie ist DAS Motiv, das vermutlich jeder im Kopf hat, wenn er „Atlantikstraße Norwegen“ hört. Und ja – sie ist wirklich beeindruckend.
Die Brücke ist die längste und bekannteste der acht Brücken entlang der Landschaftsroute und beschreibt diese große, geschwungene Linie über das Meer, die auf Fotos fast ein bisschen unrealistisch aussieht. Was wir an ihr besonders mögen, ist aber nicht nur die Konstruktion. Es ist die Art und Weise, wie sie sich in die Landschaft einfügt. Es ist keine riesige Betonbrücke sondern eine ganz besondere Konstruktion, die sich irgendwie perfekt zwischen den kleinen Inseln, Felsen und dem offenem Meer einfügt.
Einer der für uns schönsten Fotospots befindet sich ebenfalls auf der Insel Eldhusøya. Und zwar am südlichen Ende oberhalb des Rundwegs. Von der aus hast du vor allem bei Sonnenuntergang einen richtig schönen Blick auf die Brücke und die Berge des Festlandes im Hintergrund.




Wie viel Zeit sollte man also für die Atlantikstraße einplanen?
Wenn du einen relativ strammen Zeitplan hast, dann kannst du die Straße und einige kleine Stopps in der Umgebung in einem Tag erleben. Wenn du aber wirklich in die Kulisse eintauchen möchtet. Besondere Motive sucht. Vielleicht eine kleine Küstenwanderung machen möchtet. Und den vielleicht nördlichsten Punkt eurer Route so richtig genießen wollt, dann würden wir euch eher zwei Tage empfehlen. Einen für das Fischerdort Bud sowie einen kleine Küstentour und dann noch einen weiteren für die besondere Atmosphäre rund um die berühmten Brücken.
Die beste Jahreszeit für die Atlantikstraße
Wenn man sich die typischen Bilder der Atlantikstraße anschaut, könnte man meinen, dass ein sonniger Tag im Juli die beste Zeit für einen Besuch ist. Die Wahrheit ist natürlich, dass der Sommer unkompliziert ist. Die Tage sind lang, die Straßenbedingungen sind meistens gut und du kannst problemlos noch eine kleine Wanderung anhängen oder bis spät abends unterwegs sein. Gerade für eine erste Reise nach Norwegen ist das super angenehm.
Aber wenn du uns fragt, wäre unsere Antwort wahrscheinlich nicht der Hochsommer. Wir würden den September oder frühen Oktober wählen. Warum? Weil die Landschaft dann viel mehr von dem zeigt, was sie eigentlich ausmacht. Das Licht wird weicher, die Küste bekommt erste Herbstfarben und vor allem steigt die Chance auf dieses typische wechselhafte Wetter an der Westküste. Sonne, Wolken, Regen und Wind können sich innerhalb kurzer Zeit abwechseln. Und genau das passt irgendwie zu 100% zur Atlantikstraße.
Wir selbst haben es leider noch nicht geschafft, die Küstenroute im Winter zu besuchen. Aber auch das ist sicher ein ganz besonderes Erlebnis!


Mit welcher Norwegenroute lässt sich die Atlantikstraße verbinden?
Für uns ist das eigentlich einer der wichtigsten Punkte. Denn die Atlantikstraße ist zwar ein ziemlich berühmtes Reiseziel, aber nur eins von super vielen besonderen Orten entlang der Küste von Süd- und Fjordnorwegen. Deshalb kommen hier drei unserer Routen, in denen die Atlantikstraße angesteuert wird:
Unsere 3-Wochen-Südnorwegen-Route ist dann perfekt für dich, wenn du die Atlantikstraße mit Fjordnorwegen, den großen Nationalparks Jotunheimen, Dovre und Rondane sowie Wasserfällen und den ten spektakulärsLandschaften Südnorwegens verbinden möchtet.
Wenn du deinen Reisefokus lieber auf die wilde Westküste legen willst, dann können wir dir unsere 2-3 wöchige Route „Panoramastraßen, Küstenabenteuer & Wildlife-Momente“ empfehlen. Hier erlebst du die Westküste von ihrer schönsten und zugleich unbekannesten Seite!
Solltest du eine Reise planen, bei der du bis weit nach Norden auf die Lofoten fahren möchtest, könnte die Atlantikstraße auch Teil einer größeren Norwegen- und Schweden–Polarkreis & Lofoten Route sein. Hier erlebst du wirklich einige der schönsten Orte, die Skandinavien zu bieten hat!
Und genau das ist auch der Grund, warum wir unsere Routen nicht einfach als Liste von „Top 50 Sehenswürdigkeiten“ aufgebaut haben. Für uns ist entscheidend, dass eine Reise am Ende auch wirklich fahrbar und erlebbar ist. Die Atlantikstraße ist ein gutes Beispiel dafür: 36 Kilometer Straße klingen nach einem kurzen Zwischenstopp. Wenn ihr sie aber richtig erleben möchtet, ist sie Teil eines großen Abenteuers!
In diesem Sinne: Let’s roadtrip the world!



