Nach unseren vielen Abenteuern und Roadtrips durch Skandinavien, Kanada, Südafrika und Schottland schlagen wir hier ein neues Kapitel auf: den tiefe Süden Europas. Natürlich ist eine Reise durch Spanien und Portugal mit dem Wohnmobil auf den ersten Blick weder eine große Überraschung noch ein Geheimtipp. Und auch das Überwintern in Andalusien oder an der Algarve ist für viele Camper seit Jahrzehnten eher eine feste Winter-Routine als ein großes Abenteuer… aber wir wären nicht wir, wenn wir uns nicht genau das zur Herausforderung gemacht hätten.

Wir leben und arbeiten seit mittlerweile vier Jahren Vollzeit in unserem selbst ausgebauten Kastenwagen Sprinti. Unser Ziel ist es nicht, im Eiltempo von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu hetzen. Wir suchen die leere Weite, die versteckten Natur-Highlights und die Orte fernab der ausgetretenen Pfade. Dafür nehmen wir gerne auch größere Umwege in Kauf, verlassen die breiten Küstenautobahnen wann immer möglich und entdecken Regionen, die sich völlig anders anfühlen, als man es vielleicht erwartet hätte. Genau das macht für uns das Reisen aus: die Zeit zu haben, in Landschaften einzutauchen und die Natur in ihrer vollen Dynamik zu erleben.

In diesem Beitrag nehmen wir dich mit auf eine außergewöhnliche Route voller Kontraste. Wer einen Reiseführer voller überfüllter Campingplätze und Beton-Promenaden an der Costa del Sol erwartet, ist hier falsch. Stattdessen führen wir dich durch karge Wüstenlandschaften, die an den amerikanischen Südwesten erinnern, wunderschöne Städte in Spaniens Inland und an Portugals Küste, bizarre Karstwelten und bis an die Steilküsten des Atlantiks in Portugal.

Spaniens Wüsten Route Andalusien

Kurz zur Orientierung vorab: Auf unserem eigenen Trip haben wir über 2.5000 Kilometer im Süden zurückgelegt. Da wir unterwegs viel arbeiten, lassen wir uns für Strecken deutlich mehr Zeit. Wenn du diese Route nachreisen möchtest, ist eine Reisedauer von drei bzw. vier Wochen (je nachdem ob du den Abstecher nach Gibraltar und die Surfstrände der Region machen möchtest) ideal. So hast du ausreichend Freiraum für mehrstündige Wanderungen, entspannte Fahrtage und die nötige Ruhe, um die Orte wirklich auf dich wirken zu lassen.

3-4 Wochen Südspanien & Portugal Die ultimative Camper-Route für den Winter

In diesem Beitrag zeigen wir dir die absoluten Highlights der Etappe, die vollstände Route mit wirklich allen Stopps, Aussichtspunkten, Wanderungen und Erlebnissen findest du wie immer in unserer digitalen Routenkarte zum einfachen Nachreisen! 🙂

Wohnmobil Route durch Andalusien & Süd-Portugal: 3 bis 4 Wochen Wintersonne & wilde Weite

Wer nach den langen Kilometern der Anreise durch Frankreich und entlang der spanischen Mittelmeerküste die Hauptverkehrsadern verlässt, merkt schnell, wie sich der Rhythmus der Reise schlagartig verändert. Sobald man die Küstenautobahn hinter sich lässt und ins Hinterland abbiegt, weicht das Grau des mitteleuropäischen Winters einer beinahe staubtrockenen, Licht durchfluteten Weite. Die erste Etappe der Reiseroute steht ganz im Zeichen dreier Wüstenlandschaften, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und jede von Ihnen vermittelt das Gefühl, auf einen schlag den europäischen Kontinent verlassen zu haben.

Etappe I: Spaniens Wüsten, Geheimtipps abseits ausgetretener Pfade

Unsere Reise beginnt im Hinterland von Andalusien. Abseits der dicht bebauten Küstenlinie und in einer der trockensten Regionen Europas. Hier haben wir tatsächlich im Januar nicht einen einzigen Tropfen Regen erlebt und Landschaften entdeckt, die uns bis heute in Erinnerung geblieben sind!

Empfohlene Reisedauer für diese Etappe: 5-7 Tage je nachdem, ob du in Summe drei oder vier Wochen Zeit für die gesamte Route hast.

Willkommen in der Desierto de Abanilla

Gleich hinter Murcia verändert sich die Landschaft schlagartig. Das Desierto de Abanilla ist kein offizieller Nationalpark mit großer Beschilderung oder ausgebauten Besucherpfaden und Wanderwegen, sondern eine zerklüftete, hellgraue Badland-Landschaft in ihrer reinsten Form. Schmale Schotterwege führen entlang ausgetrockneter Flussbetten (Ramblas) hinein in das Niemandsland. Der weiße, verkrustete Lehmboden reflektiert das heiße Licht, während um einen herum eingeschnittene Canyons aufragen. Obwohl die Desertio de Abanilla alles andere als Abseits von Infrastruktur liegt, ist dieser Ort noch wirklich ein kleiner Geheimtipp. Es ist der perfekte Ort, um nach der langen Anreise im Kopf anzukommen und die Reisegeschwindigkeit anzupassen.

Kurze Info für dich: Erwarte hier bitte keine riesige und scheinbar endlose Landschaft! Die Wüste ist nur einige Quadratkilometer groß und eher ein Vorgeschmack auf das, was euch in den beiden anderen Wüsten erwartet!

Desierto de Tabernas – Westernfeeling an jeder Ecke

Weiter südwestlich wartet die vielleicht bekannteste Wüste des Kontinents: Das Desierto de Tabernas. Die Region war nicht ohne Grund die Kulisse für unzählige Italowestern. Schon die Anfahrt bietet spektakuläre Tiefblicke in die ausgedörrten Erosionslandschaften. Ein Stopp lohnt sich in der weiten Region gar nicht zwingend nur in den touristischen Westerndörfern, sondern direkt in den Schluchten. Wenn man zum Beispiel an der Mini Hollywood Oasys in die Schlucht absteigt und sich auf eine kleine Wanderung macht, läuft man zwischen meterhohen, zerklüfteten Sandsteinwänden hindurch und entdeckt plötzlich einen kleinen Palmengarten – fast wie eine Fata Morgana. Der Boden ist tief und sandig, vereinzelt trotzen Ginsterbüsche und Kakteen der Trockenheit.

Unser Tipp für dich: Am späten Nachmittag, wenn die Sonne tiefer steht, färben sich die Felsen in ein wunderschönes Orange. Das ist definitiv die schönste Zeit des Tages, um die Landschaft zu fotografieren!

Gorafe Wüste – Die für uns schönste und wildeste Wüste Europas

Das für uns absolute geologische Highlight Andalusiens wartet jedoch noch ein Stück weiter im Landesinneren: Die Gorafe Badlands. Das kleine Dorf Gorafe liegt isoliert am Rande des Parque Megalítico. Von hier aus schraubt sich eine schmale und ziemlich steile Asphaltstraße hoch auf das weite Plateau. Oben angekommen, konnten wir unseren Augen kaum trauen und mussten erstmal anhalten. Vor dir erstreckt sich die scheinbar endlose Weite von Negratín. Ein riesiges System aus knallroten und ockerfarbenen Canyons, die sich bis zum tiefblauen Stausee Embalse de Negratín ziehen. Wir haben den Eingang zur Gorafe passenderweise am späten Nachmittag erreicht und die untergehende Sonne, hat der so schon wunderschönen Landschaft noch einmal den Rest gegeben. So viel können wir sagen, unsere Kameras haben geglüht:

Am nächsten Tag haben wir die Abfahrt in die Wüste gewagt. Hierbei ist es uns extrem wichtig zu sagen, dass es rückblickend wahrscheinlich die extremste Offroad-Strecke gewesen ist, die wir mit unserem 7-Meter Sprinter je gefahren sind. Der Untergrund ist teilweise steil, extrem staubig und sandig und je nach stärke der Regenfälle von tiefen Furchen durchzogen. Unser Fahrzeug hat sowohl AT-Reifen als auch eine Höherlegung. Ohne beides würden wir die Fahrt nicht empfehlen. Als Ziel für dieses Abenteuer eignet sich folgender Routenpunkt: Mirador de los Colorados mit dem Startpunkt am Vértice Geodésico del Cocón.

Auf der Fahrt erwarten dich wirklich unglaublich schöne Ausblicke, Fotospots und das Gefühl wirklich mitten in der Wüste zu sein. Uns ist im Januar nur ein Schäfer mit seiner Herde entgegengekommen. Ansonsten haben wir in den drei Tagen in der Wüste keine anderen Menschen gesehen!

Vom Mirador de los Colorados aus, können wir dir eine Wanderung durch den darunter liegenden Canyon empfehlen. Du folgst dabei dem trockenen Flussbett und blickst hinauf auf die knallroten Sandwände. Schau unbedingt, dass du die extreme Mittagssonne vermeidest, da es hier so gut wie keinen Schatten gibt!

Etappe II: Maurische Baukunst, Schluchten & Felswelten

Nach dem Staub der Wüsten verändert sich die Landschaft auf dem Weg in Richtung Westen noch einmal deutlich. Wo eben noch scheinbar endlose Weite vor unseren Augen lag, passieren wir nun die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Leider haben wir für Abenteuer in der Bergwelt nicht die richtige Ausrüstung an Bord – das Ziel ist es ja schließlich auch einen warmen Winter und Frühling zu verbringen. Und der Fokus diese Etappe liegt eher auf dem maurischen Erbe Andalusiens und zwei geologischen Naturwundern!

Empfohlene Reisedauer für diese Etappe: 6–7 Tage, je nachdem wie viel Zeit du dir für die Kulturhistorie nehmen möchtest und vor allem, ob du die Wanderung über den Caminito del Rey fest einplanen willst.

Fahrt entlang der Sierra Nevada

Die berühmte Alhambra in Granada

Die Stadt Granada versprüht eine ganz eigene Magie, die maßgeblich von der weltberühmten Alhambra geprägt wird. Der mächtige Festungskomplex thront von überall aus sichtbar über den Dächern der Stadt. Wenn man durch die schmalen Tore der Nasridenpaläste tritt, taucht man augenblicklich in eine Welt aus filigranen Steinarbeiten, plätschernden Brunnen und kunstvoll verzierten Innenhöfen ein. Wir haben hier einige Stunden verbracht und, obwohl wir nicht die typischen Kultururlauber sind, haben uns die Bauwerke total begeistert.

Wichtiger Tipp: Denke unbedingt daran, deine Tickets für die Alhambra rechtzeitig im Voraus online zu buchen, da die Besucherzahlen limitiert sind. In der Nebensaison stehen die Chancen bis wenige Tage vorher relativ gut, in der Hauptsaison sind Tickets auch gerne mal für mehrere Wochen nahezu ausgebucht.

Abseits des Palasttrubels (der wirklich ordentlich war) hat uns besonders das alte maurische Viertel Albaicín gut gefallen. Sich einfach durch das Labyrinth aus steilen, kopfsteingepflasterten Gassen treiben zu lassen und vorbei an den berühmten weißen Häusern zu schlendern, macht den wahren Charme Granadas aus. Viel mehr haben wir von der Stadt ehrlicherweise auch nicht gesehen. Sie war für uns ein wenig unübersichtlich und mit dem Wissen, dass wir in wenigen Tagen Córdoba ansteuern würden, hat es uns für den Tag dann auch gereicht.

Abstecher in das Naturreservat El Torcal

Nach dem städtischen Trubel ziehen wir weiter in Richtung Westen und zurück in die Natur. Das Naturhighlight El Torcal de Antequera liegt genau an dem Punkt der Route, an dem du dich strategisch sinnvoll entscheiden solltest, ob du im Anschluss an die Südküste, nach Gibraltar und zu den berühmten Surfstränden von Spanien fahren möchtest, oder lieber weiter auf der Inlandsroute bleiben magst. Diese führt dich alternativ nach Córdoba, ein Abstecher der von der Südroute aus einen großen Umweg mit sich bringen würde und daher eher nicht zu empfehlen ist.

Aber kommen wir erstmal zurück in das hier und jetzt und zu El Torcal de Antequera. Was dich hier erwartet, fühlt sich an wie die Landung auf einem fremden Planeten. Über Jahrmillionen hat die Erosion aus dem kalkhaltigen Gestein eine bizarre Labyrinth-Landschaft geformt, in der sich die Felsen wie übereinandergestapelte Pfannkuchen aufragen. Du läufst hier mitten durch schmale Steinspalten und vorbei an mächtigen Felsformationen, die bizarre Schattenspiele werfen. Da El Torcal auf über 1.000 Metern Höhe liegt, weht hier oben selbst an sonnigen Wintertagen oft ein eisiger Wind. Eine warme Jacke gehört also definitiv in den Tagesrucksack.

Unser Reisetipp für dich: Natürlich ist auch das spanische Inland absolut kein Geheimtipp. Das gilt sowohl für El Torcal als auch den Caminito del Rey. Es lohnt sich also seine Besuchszeit entsprechend Antizyklisch zu planen. Zumindest sofern es möglich ist! 🙂

Caminito del Rey: Ein Abstecher, den wir dir nicht vorenthalten wollen:

Bevor wir hier weiter in das nächste Highlight einsteigen, müssen wir dazu sagen, dass wir uns gegen die Wanderung über den legendären Caminito del Rey entschieden haben. Nicht weil es uns zu gefährlich war, sondern weil wir das Gefühl hatten, es ist einfach zu touristisch für uns. Die Parkplatzsituation mit dem Camper fanden wir in der Recherche unübersichtlich, die Anreise zum Ausgangspunkt der geführten Tour unnötig kompliziert und die Buchung von speziellen Zeitfenstern passt nicht so richtig zu unserer Art des „Natur erlebens“. Nichtsdestotrotz wollen wir dir die Option natürlich nicht vorenthalten, vor allem da der Caminito liegt nicht weit entfernt von El Torcal liegt. Wenn er auf deiner Bucket-List steht, tauchst du am besten einmal selbst in die Recherche ein! 🙂

Hier kommen trotzdem ein paar Ideen zum einst als einer der gefährlichsten Pfade der Welt verschrienen Wanderung. Die Route ist heute perfekt gesichert und soll ein wirkliches Abenteuer für jeden Roadtrip sein. Der Weg verläuft auf hölzernen Stegen, die direkt in die senkrecht abfallenden Felswände der El-Chorro-Schlucht gezimmert wurden. Hundert Meter unter deinen Füßen rauscht das türkisgrüne Wasser des Flusses, während über dir die Sonne in die Felsschlucht scheint. Die Wanderung verläuft als Einbahnstraße von Nord nach Süd und erfordert zwingend vorab gebuchte Tickets. Am Ende bringt dich ein Shuttlebus zurück zum Ausgangspunkt.

Córdoba – Die für uns schönste Stadt unsere Camper Reise durch Andalusien

Zum Abschluss dieser Etappe führt uns die Route weiter ins maurische Herz nach Córdoba. Die Stadt strahlt eine super schöne, entschleunigte Atmosphäre aus und lässt sich perfekt zu Fuß erkunden. Anders als in Granada fühlen wir uns hier sofort richtig wohl. Das unangefochtene Highlight ist die Mezquita-Cátedra, eine der weltweit größten ehemaligen Moscheen, in deren Mitte später eine christliche Kathedrale erbaut wurde. Nach dem Besuch lohnt sich ein Spaziergang durch die schmalen Gassen der Judería, um Ausschau nach den typischen, liebevoll bepflanzten Innenhöfen (Patios) zu halten.

Córdoba bildet zugleich den letzten strategischen Knotenpunkt deiner Reise: Hier entscheidest du, ob du direkt nach Portugal weiterziehst oder noch den Schlenker an die windumtoste Atlantikküste inklusive Gibraltar, mitnimmst!

Das 4-Wochen-Upgrade: Der wilde Südwesten Spaniens

Wir selbst haben uns auf unserer Tour entschieden, von Córdoba aus direkt den Schlenker rüber nach Portugal zu machen, um mehr Zeit für die Atlantikküste zu haben. Da der tiefste Süden um Gibraltar, Tarifa und die Surfstrände der Costa de la Luz aber zu den absoluten Wunschzielen vieler Wintercamper gehört, wollten wir diese Etappe nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Auf Basis unserer Recherche haben wir diese „Add-on-Woche“ deshalb für dich als flexiblen Baustein hinzugefügt. Diesen findest du übrigens auch in unserer digitalen Routenkarte zum Beitrag mit Tag-für-Tag Reiseempfehlung und den schönsten Highlights direkt in einer Karte markiert!

Die Zusatzetappe ist vor allem dann interessant für dich, wenn du die klassischen Küsten- und „Vanlife“-Orte Südspaniens erleben möchtest und schon vor Portugal den Ozean erleben willst. Es sollte aber auch erwähnt werden, dass es hier in der Regel wirklich voll ist. Auch wenn sich das natürlich an den riesigen Sandstränden schnell verläuft. 🙂

Gibraltar & Tarifa: Wo zwei Welten aufeinandertreffen

Das erste Ziel den Süd-Schlenkers ist der berühmte Felsen von Gibraltar. Das britische Überseegebiet ist ein Skurrilitäten-Kabinett für sich: Man passiert die Grenze, fährt im Camper mitten über die Landebahn des Flughafens und steht plötzlich zwischen roten Telefonzellen und englischen Pubs. Hauptattraktion oben auf dem Rock von Gibraltar sind die freilebenden Berberaffen. Wir haben oft gelesen, dass es am einfachsten ist, sein Wohnmobil auf der spanischen Seite in La Línea de la Concepción vor der Grenze stehen zu lassen und dann zu Fuß über die Grenze zu schlendern. Das spart nicht nur Zeit im Grenzstau, sondern auch eine Menge Stress. Und Gibraltar selbst lässt sich wirklich hervorragend zu Fuß erkunden.

Ein Stück weiter westlich erreichst du Tarifa, die unangefochtene Windsurf-Hauptstadt Europas. Schon bei der Anfahrt spürt man den stetigen, oft stürmischen Wind (Levante und Poniente). Der Ort selbst versprüht einen fantastischen, entspannten Surfer-Vibe mit kleinen Cafés und Altstadtgassen. Von der Promenade aus blickt man bei klarer Sicht bis an die marokkanische Küste.

Die wilde Costa de la Luz – Wanderdünen & Surf-Strände

Weiter entlang der Costa de la Luz zeigt der Atlantik erstmals seine volle Kraft. Ein absolutes Highlight der Region ist die riesige Dune de Bolonia. Die gewaltige Sanddüne schiebt sich direkt aus den Pinienwäldern bis an den Ozean heran. Direkt daneben liegen die gut erhaltenen römischen Ruinen von Baelo Claudia.

Über die Surf-Hotspots El Palmar und das weiße Küstendorf Conil de la Frontera schlängelt sich die Route schließlich weiter gen Norden in Richtung der Grenze zu Portugal. Hier im Golf von Cádiz führen die Nord- und Südroute wieder zusammen. Wer also endlose Sandstrände, Meeresrauschen und Wind sucht, findet an diesem Küstenabschnitt den perfekten Übergang von Spanien zum Atlantik-Abenteuer in Portugal.

Etappe III: Über die malerische Algarve bis nach Lissabon

Wir überqueren die Grenze von Spanien nach Portugal am mächtigen Fluss Río Guadiana bei Ayamonte. Die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt, die Straßenschilder verändern sich und das Rauschen des Ozeans ist schon fast zu hören. Du hast während der gesamten Route entlang der Algarve die Wahl zwischen der mautpflichtigen Autobahn (A22) oder der durch die Städte und dichter am Meer verlaufenden Landstraße (N125). Letztere ist definitiv die gemütlichere Variante und du tauchst mitten in das Leben an der portugiesischen Küste ein – auch wenn wir die ca. 25.000 Kreisverkehre irgendwann doch ein wenig auf die Nerven gehen werden… 😉

Komm mit uns auf diese letzte Etappe der Südspanien und Portugal Route. Immer entlang feinsandiger Lagunen, vorbei an weltberühmten Steilküsten und bis hinein in die wohl schönste Hauptstadt Westeuropas – Lissabon.

Empfohlene Reisedauer für diese Etappe: ca. 8–10 Tage. Wer Lissabon entspannt erleben und an de Algarve auch mal verweilen möchte, der sollte sich diese Zeit unbedingt nehmen!

Die östliche Algarve: Sanfte Strände & Lagunen

Kurz hinter der spanischen Grenze zeigt sich die portugiesische Küste von ihrer ruhigen Seite. Die Ostalgarve (Sotavento) ist geprägt vom geschützten Naturpark Ria Formosa, einem weitläufigen System aus Lagunen, Inseln und scheinbar endlosen Sandbänken. Das kleine, weiß getünchte Städtchen Tavira gilt vollkommen zu Recht als einer der charmantesten Orte der Region. Von hier aus setzen kleine Fährboote über auf die Ilha de Tavira. Was dich dort erwartet, ist ein endloser, feiner Sandstrand, den man sich selbst in den Wintermonaten nur mit wenigen anderen Strandspaziergängern teilt.

Nur ein Stück weiter, ebenfalls auf der Ilha de Tavira, liegt der Praia do Barril. Dieser ist direkt vom Festland aus über eine lange Fußgängerbrücke und anschließenden Holzsteg durch die Dünen erreichbar. Im Sand ruhen hunderte verrostete Schiffsanker. Ein historisches Denkmal für den einstigen Thunfischfang der Region, das vor der Kulisse des brandenden Ozeans ein fantastisches Fotomotiv abgibt.

Die westliche Algarve: Felskathedralen, Traumstrände & Roadtrip Klassiker

Sobald du Faro in Richtung Westen hinter dir lässt, wandelt sich die Kulisse noch einmal komplett. Hier liegen die Postkarten-Kulissen, für die die Algarve weltweit berühmt ist. Ein absolutes Muss, egal wie voll es dort ist, ist der Praia da Marinha: Über eine lange Holztreppe steigt man hinab zwischen mächtige, leuchtend gelbe Felswände. Von den oberen Klippenwegen hat man einen fantastischen Blick auf die „Natural Arches“ und das berühmte „Herzenstor“ – zwei miteinander verschmolzene Felsbögen im Meer. In der Region gibt es gefühlt unzählige weiterer wunderschöner Strände, die schönsten haben wir dir in unserem Routen-Guide markiert. Nachfolgend findest du einige Impressionen. 📸

Weiter Richtung Westen, vorbei an der berühmten Benagil Höhle und dem Praia da Prainha erreichst du Lagos, eine der lebendigsten und schönsten Städte der Küste. Die historische Altstadt mit ihren Kopfsteinpflaster-Gassen, kleinen Boutiquen und Café lädt zum Verweilen ein. Direkter Nachbar der Stadt ist der winzige, von gigantischen Felsen eingerahmte Praia do Camilo. Über 200 Stufen führen hinab in diese traumhafte Bucht, deren durchbrochene Felsbögen zu kleinen Nachbarstränden führen. Gleich nebenan erstreckt sich die berühmte Felsnase Ponta da Piedade, wo die leuchtenden Felsen versteckte Grotten bilden und aus dem türkisblauen Atlantik ragen.

Wir haben Lagos außerdem als Ausgangspunkt für eine Marine Wildlife Safari mit dem Schnellboot genutzt und hatten richtig schöne Begegnungen mit den vor der Küste lebenden Delfinen.

Folgst du der Küstenstraße weiter gen Westen, in Richtung Sagres, wartet ein absoluter Klassiker für jeden Camper-Roadtrip: Das Ceramica Paraiso. Der riesige Keramikladen bei Vila do Bispo ist nicht zu übersehen. Die Außenfassade ist komplett mit bunten Tellerserien behängt. Hier stöbert man stundenlang durch handgemachte portugiesische Keramik, Tassen und Azulejo-Fliesen. Das perfekte Mitbringsel oder neue Reisebegleiter für den Camper.

Schließlich erreichen wir den wilden Zipfel Europas rund um Sagres. Bevor man das Kap erreicht, lohnt sich ein Stopp an der dramatischen Bucht Praia do Beliche, deren mächtige Felswände den Strand oft windgeschützt einrahmen. Nur wenige Minuten weiter stehst du schließlich am Cabo de São Vicente an den 75 Meter steil abfallenden Klippen am südwestlichsten Punkt des europäischen Festlands. Wenn die atlantischen Wellen unten an die Felsen knallen und die Gischt hochpeitscht, spürt man die unbändige Kraft der Natur. Die berühmte „Letzte Bratwurst vor Amerika“ gehört hier natürlich zum Pflichtprogramm. Darüberhinaus findest du in Sagres in der Saison schöne kleine Cafés und gemütliche Orte zum Einkehren und Genießen!

Lissabon: Zwei Tage in der für uns schönsten Hauptstadt Westeuropas

Zum krönenden Abschluss führt uns unsere Route durch Portugal entlang der Küste in Richtung Norden, bis sich vor dir die hügeligen Panoramen auf Lissabon öffnen. Die portugiesische Hauptstadt versprüht einen unvergleichlichen Charme. Um die Vielfalt dieser Stadt wirklich aufzusaugen, solltest du dir mindestens zwei volle Tage Zeit nehmen. Wir haben unseren Aufenthalt so aufgeteilt:

Tag 1: Die klassische Altstadt, bunte Gassen & Aussichtspunkte

Unser erster Tag gehört dem historischen Herzen von Lissabon. Lass dich morgens ohne festen Plan durch das Labyrinth aus steilen, kopfsteingepflasterten Gassen der alten Alfama treiben. Überall begegnest du den ikonischen gelben Straßenbahnen, während aus kleinen Handwerksläden der Duft von frischem Kaffee strömt. Das Besondere an Lissabon sind die Miradouros. Aussichtspunkte und kleine Treffpunkte, die du auf fast jedem Hügel findest. Vom Miradouro de Santa Luzia zum Beispiel blickt man zwischen azurblauen Kacheln hindurch über die roten Ziegeldächer bis hinunter auf den Tejo. Nachmittags geht es hinab zum imposanten Praça do Comércio, dem riesigen Hauptplatz direkt am Flussufer. Von dort aus lohnt sich ein Abstecher in die kleineren Boutiquen des Baixa-Viertels, wo traditionelles Handwerk und Gastronmien perfekt verschmelzen.

Tag 2: Entlang des Tejo nach Belém – Industrie-Vibe & süße Legenden

Am zweiten Tag folgen wir dem Flusslauf gen Westen in den geschichtsträchtigen Stadtteil Belém. Auf dem Weg dorthin legen wir einen Stopp an der LX Factory ein. Ein altes Fabrikgelände unter den mächtigen Pfeilern der roten Hängebrücke Ponte 25 de Abril. Der Ort ist ein Mekka für Kreative: In den alten Backsteinhallen verbergen sich Buchläden, Street-Art-Galerien und gemütliche Cafés. Weiter in Belém wartet das Erbe der großen Entdecker auf dich. Das wuchtige Mosteiro dos Jerónimos und der majestätisch im Wasser stehende Torre de Belém lassen die Geschichte des Landes greifbar werden. Und der perfekte kulinarische Abschluss? Der ist Pflichtprogramm: Hol dir in der traditionsreichen Confeitaria die warmen, mit Puderzucker bestreuten Pastéis de Belém und genieße sie direkt mit Blick auf den Ozean.

Nach etwa 2.000 Kilometern hinter dem Lenkrad unseres Sprinters steht fest: Der Süden Europas kann so viel mehr als wir erwartet hätten. Wenn du bereit bist, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, die Küstenautobahnen gegen Schotterpisten in kargen Wüsten einzutauschen und dem Ozean nicht dauerhaft vor der Tür zu haben, zeigt sich die Iberische Halbinsel von einer wilden und wirklich spektakulären Seite.

Praktische Hinweise, Tipps & Orga für deine Winterauszeit

Eine mehrwöchige Rundreise durch Spanien und Portugal unterscheidet sich in einigen organisatorischen Punkten deutlich von einem klassischen Sommerurlaub. Damit euer Roadtrip mit dem Van, Camper oder Wohnmobil entspannt und ohne böse Überraschungen verläuft, sind hier die wichtigsten Praxis-Tipps aus unserer Zeit im Süden:

Maut & Routenplanung

Die meisten Autobahnen in Spanien und Portugal sind mittlerweile mautfrei! Das zählt seit 2025 auch für die A22 entlang der Algarve. Wenn du doch mal auf eine Mautstraße treffen solltest, dann genügt die Kreditkarte um an der Abfahrt das entsprechend gezogene Ticket auszulösen. Der größte Kostenfaktor in puncto Maut ist sicher eher die Anreise über Frankreich. Auch hier gibt es Umgehungsstraßen, diese finden wir persönlich aber im Vergleich zu den super instand gehaltenen Autobahnen extrem mühselig und zeitfressend. Wir würden hier immer eher die ca. 150-200€ Maut zahlen und dafür schnellstmöglich in Spanien oder Portugal ankommen.

Freistehen & Camping-Regeln

  • Spanien: Ganz offiziell ist „Parken!“ im Wohnmobil überall gestattet, solange kein „Campingverhalten“ (Stühle herausstellen, Markise ausfahren, Auffahrkeile nutzen) gezeigt wird und wo es nicht explizit verboten ist. In Naturschutzgebieten und Naturparks gilt jedoch ein striktes Übernachtungsverbot zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. In der Realität ist das Freistehen aber wirklich eine Herausforderung. Zumindest entlang der Küste. Fehlverhalten wird hier kostenintensiv geahndet und Plätze sehr regelmäßig von der Polizeit kontrolliert. Im Inland sieht das ganze vor allem in der Nebensaison deutlich entspannter aus.
  • Portugal: Nach der Überarbeitung des Artikel 48 der Straßenverkehrsordnung (Código da Estrada) ist das Übernachten im ausgebauten Wohnmobil in POOC-Zonen (Küstenschutzgebiete) und Natura-2000-Gebieten verboten. An der Westküste und an den Hauptstränden der Algarve wird dies im Winter extrem verstärkt durch die GNR kontrolliert. Weiche hier unbedingt auf offizielle Campingplätze und kommunale Stellplätze (Áreas de Serviço para Autocaravanas) aus.

Wenn ihr mehr zum Thema Freistehen in Südspanien lesen möchtet, findet ihr hier nochmal einen extra Beitrag von uns zu dem Thema.

Wasserfilter & Zusatzheizung

Du solltest für deine Reise im Winter unbedingt sowohl an einen guten Wasserfilter, als auch an eine Zusatzheizung denken. Die Wasserqualität an öffentlichen Ver- und Entsorgungsstationen variiert sehr stark. Da viele offizielle Campingplätze geschlossen sind und du auf Alternativen zurückgreifen werden musst, ist ein guter Wasserfilter wirklich gold wert. Und auch wenn tagsüber im Januar oft 18–20 °C erreicht werden, kühlt es nachts in den Wüsten und auf über 1.000 Metern Höhe (El Torcal) gerne bis nahe an den Gefrierpunkt ab. Hier kann es also ohne Heizung im Camper ungemütlich werden! 🙂

Und jetzt bleibt uns nur noch, dir eine fantastische Zeit mit vielen wunderschönen Momenten in Südspanien und Portugal zu wünschen! Let’s roadtrip the world!

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